Winterwetter, Werkelwochen & ein Herzensthema

Die vergangenen Wochen auf Leros waren intensiv, arbeitsreich und emotional. Der Winter hat Einzug gehalten – mit kühlen Temperaturen, viel Regen und ordentlich Wind. Und wir haben die Wetterphasen genutzt, um an Bord, ums Boot herum und in unserer kleinen Marina-Nachbarschaft anzupacken.


Projekt Katzenhaus – Ein Schutzraum, der dringend gebraucht wird

Mit dem Wetterwechsel stand schnell fest: Jetzt ist der richtige Moment, unser schon länger geplantes Katzenhaus zu bauen.
Die Streunerkatzen gehören für uns inzwischen zum Alltag, und viele von ihnen haben keinen sicheren, trockenen Rückzugsort. Gerade im Winter ist das für die Tiere hart.

Also haben wir gesammelt, was wir finden konnten:
– eine alte Holztür
– zwei Paletten
– ein ausrangiertes IKEA-Regal
– zusätzliche Paletten vom Gemüseladen
– Schrauben, Polyesterharz & Glasfasermatten aus dem Baumarkt

Warum Polyester & Glasfasermatten?
Weil Holz allein der Feuchtigkeit kaum gewachsen ist. Durch das Laminieren wird das Grundgerüst wasserfest, stabil und langlebig. Die Glasfasermatten verstärken die Struktur, damit Regen, Wind und Sturm dem kleinen Haus nicht schaden.
Kurz: Ein robuster, sicherer Unterschlupf für die Katzen.

Ein Tag Arbeit reichte, um das Grundgerüst zu bauen und die ersten Lagen Laminat aufzubringen. Am folgenden Tag haben wir und vor allem Alex das Dach montiert, am Ende haben wir noch mit Hilfe von Ben und Caetlin von der „Donna“ mit angepackt und wir haben das Haus an seinen finalen Platz gehoben.
Die Katzen waren die ganze Zeit um uns herum – neugierig, aufmerksam, vielleicht auch ein bisschen aufgeregt darüber, dass „ihr Revier“ plötzlich ein Upgrade bekommt.

Jetzt ist das Haus erstmal von oben und drei Seiten wetterfest.


Ein ernstes Thema: Katzen auf Leros

Je länger wir hier sind, desto deutlicher sehen wir es:
Die Straßenkatzen auf den griechischen Inseln sind ein echtes Problem – nicht wegen der Tiere, sondern wegen der Umstände.

Viele Menschen kümmern sich liebevoll. Aber es fehlt an Aufklärung, an Bewusstsein und an konsequenter Kastration/Sterilisation.
Ungewollte Würfe, kranke Kitten, Augeninfektionen, Parasiten, Hunger – all das sehen wir täglich. Wir tun, was wir können, füttern, bringen Katzen zum Tierarzt etc., aber leider sind wir auch begrenzt in Ressourcen- emotional wie materiell.

Wir möchten hier niemandem Vorwürfe machen. Kultur, Gewohnheiten und Ressourcen unterscheiden sich – und viele Einheimische tun, was sie können.
Aber gleichzeitig wünschen wir uns sehr, dass langfristig mehr Verständnis für die Wichtigkeit von Kastration entsteht. Nur so kann der Kreislauf von Leid und Überpopulation durchbrochen werden.


Unsere Futterrunde – fünf Kitten und ein Bordpatient

Neben dem Neubau des Katzenhauses hat Antonia weitere Futterspots entdeckt, darunter einen mit fünf kleinen Kitten. Alle hatten Augeninfektionen und mussten dringend behandelt werden. Also wurden sie eingefangen, zum Tierarzt gebracht und versorgt.

Ein Kitten musste sogar mit an Bord – Katzen-Grippe, Antibiotikum, Wärme.
Unsere Anahita wurde kurzerhand zum Katzen-Krankenhaus.

Ein riesiges Dankeschön geht an die Crews der Born to Live und der Donna
Das deutsche und niederländische Paar unterstützen uns – beim Füttern und beim Versorgen und auch bei der kleinen Nike.
Wir sind unglaublich dankbar, solche herzlichen Nachbarn um uns zu haben.

Ebenso möchten wir dem ortsansässigen Tierarzt Michaelis und seiner Tochter Nefeli danken.
Beide sind jedes Mal sofort bereit zu helfen – freundlich, kompetent, geduldig und oft spontan, auch wenn wir wieder einmal mit einem Notfall vor der Tür stehen.
Sie sind ein unverzichtbarer Teil dieser Insel.


Nike – Siegerin der Herzen

Eines Abends wurde ein winziges Kitten in ein Gebüsch geworfen – beobachtet von einer Frau aus der Marina, die sofort eingriff und das Kleine rettete.
Sie setzte sie ins neue Katzenhaus, in der Hoffnung, dass die bestehende Katzenkolonie sie aufnehmen würde.

Es regnete heftig, also nahmen wir sie zu uns. Sauber, menschenbezogen, unglaublich klein – wahrscheinlich erst sieben Wochen alt.

Wir haben über Social Media und in der Marina nach ihren Besitzern gesucht, aber niemand meldete sich.

Nach vielen Gesprächen und viel Abwägen stand fest:
Nike bekommt ein Für-Immer-Zuhause in Deutschland.
Mehrere liebe Menschen haben sich sogar angeboten, sie mitzunehmen. Jetzt warten wir auf Impfungen und die nötigen Dokumente.
Bis dahin lebt sie zusammen mit Feivel und Aria bei uns an Bord – ein kleines Trio, das unser Leben gerade ziemlich auf den Kopf stellt, aber uns jeden Tag aufs Neue zum Lächeln bringt.


Bootsarbeiten – zwischen Regenfronten und Innenprojekten

Kurz vor dem Wetterumschwung hat uns Mario geholfen, das Ruder abzubauen.

Warum macht man das bei einem älteren Boot?
Um:
– Lager und Achse auf Verschleiß zu prüfen
– Feuchtigkeit im Blade zu erkennen
– Haarrisse sichtbar zu machen
– den Ruderquadranten zugänglich zu bekommen
– das gesamte System zu reinigen und zu überarbeiten

Innen ging es ebenfalls voran:
– Der erste Shelly wurde verbaut – wir können nun ein Licht per Raspberry steuern.
– Alex hat fleißig gelötet und versucht, die Verkabelung des Voreigners zu entziffern. Eine kleine Wissenschaft für sich.
– Ein wilder Wirrwarr an Lautsprecherkabeln tauchte auf – Relikte eines früheren Bord-Entertainment-Systems.
– Und wir haben einen kleinen Projektor geschickt bekommen – perfekt für Regentage und kleine Filmabende auf der Anahita.


Ein Moment Freiheit – Dinghy & Außenborder

Zwischen den Wetterfronten haben wir unser Dinghy aufgepumpt, den Außenborder montiert und es zu Wasser gelassen.
Eigentlich „nur zum Testen“ – aber der kurze Ausflug war wie ein kleiner Befreiungsschlag zwischen all der schweren Arbeit.

Seitdem nutzt Alex das Dinghy gern, um in tieferen Gewässern zu fischen. Ein guter Ausgleich zur Boatwork und ein Moment Ruhe.


Weihnachten auf Leros

Unser erstes richtiges Weihnachten auf der Insel fühlt sich ungewohnt an.
Kein Schnee, keine Tannenbäume, keine Weihnachtsmarkt-Bratwürstl – stattdessen Meer, Sonne und Inselfeeling. Aber zum Glück haben in Deutschland unsere Liebsten an uns gedacht und uns per Paket mit Weihnachtsdekoration fürs Boot, Lichterketten, Platzerlformen und Nikolaus Überraschung versorgt. Danke an die lieben Weihnachtselfen!

Unsere ersten Platzerl an Bord!

Ausblick – Patches, Primer & ein Katzenhaus mit Etagen

In den kommenden Tagen konzentriert sich Alex vor allem auf die offenen Stellen am Rumpf, wo zuvor die Patches der Stützen waren: schleifen, ausbessern, fillern und schließlich sauber neu streichen, damit wir wirklich einen Haken an das Unterwasserschiff machen können. Parallel wächst auch unser Katzenhaus weiter. Es bekommt eine richtige Tür, einen wetterfesten Anstrich und innen mehrere kleine Ebenen und Rampen, damit die Katzen sich bewegen, verstecken und wohlfühlen können. Auch ein gemütlicher Bodenbelag ist geplant, damit der kleine Rückzugsort nicht nur praktisch, sondern auch warm und einladend ist.

Die Katzen nutzen das Häuschen schon jetzt regelmäßig, und wir hoffen, dass es ihnen den Winter etwas leichter macht. Für uns bedeutet das alles: Die kommenden Wochen bleiben arbeitsreich, aber sie fühlen sich richtig an – weil wir damit sowohl der Anahita als auch unseren vierbeinigen Nachbarn ein Stück Schutz, Sicherheit und Fürsorge geben können.

2 Comments

  1. Ihr wachst über Euch selbst hinaus! Hoffentlich kommt Ihr dann nicht , wenn’s mal soweit ist, aus Versehen in den Katzenhimmel 😉
    Ich liebe Euch für Alles was Ihr da leistet und Euer großes Herz!

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