Kleine Pfoten, großer Weg: Für Calcifer

Wir melden uns heute mit einem anderen Beitrag. Dieser Eintrag ist für Calcifer. Nicht alles auf dieser Reise hat mit Segeln zu tun. Oft geht es um Begegnungen und manchmal sind es vor allem die Begegnungen, die nicht menschlich sind, die uns am meisten bewegen.


Es war Abend auf Leros. Die Sonne war dabei, sich hinter die Hügel zurückzuziehen, als Antonia wie jeden Tag zur Marina ging, um die Streunerkatzen zu füttern. Zwischen den vertrauten Gesichtern war plötzlich ein neues. Ein winziger, rotweiß gezeichneter Kater. Viel zu klein, knochig und zerbrechlich. Nicht so lebhaft, wie man es von ca.6 Wochen jungen Kätzchen kennt. Sein Fell verfilzt, sein Körper geschwächt von Parasiten, Hunger und Krankheit. Aber er miaute und blickte mit klaren Augen nach oben. Also wollte er klarmachen: „Ich bin noch da.“ Antonia hob ihn auf. Und ab diesem Moment war klar: wir kümmern uns um dieses kleine Wesen.

Wir nahmen ihn mit an Bord. Rührten Katzenmilch an. Fütterten ihn alle zwei Stunden. Massierten vorsichtig seinen Bauch. Und wir ließen ihn keinen Moment allein. Wir haben viel mit ihm gekuschelt – einfach, damit er nicht das Gefühl hatte, allein zu sein. Er war sehr erschöpft und schwach. Lag oft nur mit offenen Augen da. Aber wenn wir ihn hielten, begann er zu schnurren.

Wir nannten ihn Calcifer – denn obwohl er körperlich kaum noch konnte, war da etwas in ihm, das spürbar lebte. Wie ein zarter Funke, der nicht verlöschen will.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit ihm zum Tierarzt. Er bekam Spezialfutter, Probiotika, eine vorsichtige Prognose. Kritisch – aber nicht aussichtslos. Wir versorgten ihn weiter und wir hofften.

Doch am Nachmittag verschlechterte sich sein Zustand. Sein Atem wurde schneller. Er bekam Fieber. Und irgendwann war klar: Sein Körper konnte nicht mehr mithalten. Wir waren bei ihm, haben mit ihm gekämpft bis zuletzt. Doch wir mussten ihn schließlich gehen lassen.

In dieser kurzen Zeit mit ihm haben wir ihn sehr ins Herz geschlossen. Er war ein kleiner Gefährte auf Zeit. Vier kleine Pfoten mit tapferem Wesen. Und er hat uns daran erinnert, wie wichtig es ist, präsent zu sein, zu helfen und nicht wegzusehen.

Mach’s gut, Calcifer. Du kleines Herz auf Pfoten. Wir werden dich nicht vergessen.

Antonia & Alex

 

 

 

2 Comments

Schreibe einen Kommentar zu Adele Geisinger Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert