Unter Strom und überm Limit – zwei Wochen zwischen Laminat und Lötzinn

Die letzten zwei Wochen im Trockendock waren… heiß, schweißtreibend, lehrreich und spannend. Während rundherum auf der Werft geschliffen, lackiert, geschraubt und ins Wasser gehoben wird, geht es auch bei uns stetig voran.

Der Rumpf ist nun komplett abgeschliffen – bis aufs Laminat runter, bereit für die nächsten Schritte. Wir haben die Gelcoat-Schicht vollständig entfernt, um Osmose frühzeitig vorzubeugen und später mit Coppercoat eine langlebige Antifouling-Lösung aufzubringen. Alex hat den Dampfstrahler ausgepackt und reinigt fleissig den Rumpf mit Süßwasser, den wir jetzt erstmal trocknen lassen. Mit dem beständigen Wetter sind die Bedingungen dafür opAuch wenn wir noch nicht ganz umgesetzt wurden, hat uns das Werftteam immerhin schon um 90 Grad gedreht – das sorgt für ordentlich Durchzug mit Wind im Inneren!

Flexen, Feta und galvanische Ströme

Zwischendurch hilft nur eins gegen die Hitze: Melonensalat mit veganem Feta. Unsere absolute Neuentdeckung – salzig-süß, erfrischend und schnell gemacht. Ideal, wenn der Kreislauf bei über 40 °C am Anschlag ist.

Was weniger erfrischend war: Spannung auf der Reeling. Nach kurzer Fehlersuche zeigte sich, dass wir beim Landstromanschluss keine galvanische Trennung bzw. keinen funktionierenden Potentialausgleich hatten. Ergebnis: galvanische Ströme über das Schutzleitersystem, die zu messbarer Spannung an den Metallteilen führten – unangenehm und potenziell gefährlich. Alex hat daraufhin die Sicherungsbox neu gebaut, in der der Schutzleiter korrekt aufgelegt und geerdet ist. Die Erfahrung hat uns wieder einmal gezeigt, wie wichtig eine galvanische Trennung (z. B. per Trenntrafo oder galvanischem Isolator) ist, gerade wenn man längere Zeit an Land mit Fremdstrom versorgt wird.

Ein paar Tage später der nächste Energieschock: Beim Bulk Charging über unser Ladegerät fiel die Spannung regelmäßig ab. Zunächst dachten wir an eine defekte Batterie – oder gleich mehrere. Doch vier Batterien gleichzeitig tot? Eher unwahrscheinlich. Nach Rücksprache mit Antonias Papa, einem erfahrenen Elektrotechniker, war klar: Die Umgebungstemperatur von über 42 °C hat die Ladecharakteristik beeinflusst. Bei so hohen Temperaturen bricht die Ladeleistung ein, und die Spannungsabfälle waren schlicht thermisch bedingt. Nach einer kühleren Nacht lief wieder alles rund – und wir wissen jetzt: Temperaturmanagement ist ein unterschätztes Thema im Energiesystem.

Grillen, Glut und gute Gesellschaft

Bevor wir wieder voll ins nächste Projekt gestürzt sind, gab’s erst mal eine kleine Belohnung: unser erster Grillabend mit der eigenen Bordküche – gemeinsam mit den Crew von „Nessaja“ und dem Saarsegler. Ein entspannter Abend mit gutem Essen, kaltem Bier und Gesprächen unter Gleichgesinnten.

Alles muss raus – auch die Borddurchlässe

Nach dem vollständigen Abschleifen war für uns klar: Wenn wir je die Borddurchlässe tauschen wollen, dann jetzt. Der erste Durchlass im Motorraum war vermutlich der älteste und saß bombenfest. Mit Trennschleifer, Hammer und einer guten Portion Geduld haben wir ihn mit Marios Hilfe entfernt.

Wir werden alle Borddurchlässe durch neue, korrosionsbeständige Varianten ersetzen – vermutlich aus Kompositmaterial (z. B. Trudesign).

Schatzsuche im Vorschiff

Außerdem haben wir die komplette Vorschiffkabine ausgeräumt – ein kleiner Akt für uns, ein großer für die Ordnung an Bord. Was da alles zum Vorschein kam: Dichtungen, Ersatzteile, alte Pumpen (inkl. Diagnosezettel: „läuft nur rückwärts“), Gummidichtprofile, Impeller, und ja – eine alte Beinschiene. Die Vorbesitzer haben wirklich alles aufgehoben. Aber vieles davon ist noch brauchbar oder zumindest nützlich als Notfall-Backup. In der Langfahrt-Welt ist Redundanz oft wichtiger als Ästhetik.

Kleine Baustellen und große Genüsse

Alex hat sich erneut am Lötkolben bewiesen und unserer Lampe im Salon beim Navigationstisch ein neues Leben eingehaucht. Sein Fazit: Löten in 40 °C wird kein neues Hobby. Und Antonia? Wird vermutlich kein Fan des Petroleumofens – der braucht regelmäßig drei Anläufe, bis er zündet, rußt ordentlich und riecht dabei wie eine Mischung aus Schiffsmuseum und Altöl. Wir halten Ausschau nach Alternativen.

Und ja: Wir springen regelmäßig ins Meer zur Abkühlung – ein absoluter Segen nach Stunden im Bootsbauch. Abends genießen wir das fantastische griechische Essen hier auf der Insel. Bei Dimitris gibt’s einfach das beste Fava, und letzten Sonntag haben wir im „To Steki tis Annas“ gebruncht – dem veganen Restaurant auf Leros. Genau die richtige Portion Lebensfreude zwischen all dem Staub.

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