Der Morgen des 16. Aprils 2025 verspricht Sonne und angenehm warme Temperaturen – endlich! Bereits am Vortag war ein deutlicher Wetterumschwung zu spüren, und Alex konnte das gute Wetter direkt nutzen, um mit Sonne im Rücken erste Arbeiten draußen an der Anahita zu erledigen.
Die ersten Tage an Bord haben wir gemeinsam mit den Voreignern mit einer Art Boots-Inventur verbracht. Wir sind durch jedes Fach, jeden Stauraum und Winkel gekrochen – und waren nicht selten überrascht, wie viele Ersatzteile doppelt und dreifach vorhanden sind. Wolfgang und Barbara haben wirklich an alles gedacht. Ihre 40 Jahre Segelerfahrung sind nicht nur spürbar, sondern für uns ein echtes Geschenk.
Inzwischen sind wir gut in den Rhythmus der Anahita-Crew hineingewachsen: Antonias Tag beginnt meist um 7 Uhr mit einer Sporteinheit, gegen 9 Uhr frühstücken wir gemeinsam und starten danach mit den Tagesaufgaben. Aktuell stehen vor allem Polierarbeiten und die Reparatur des Tenders auf dem Programm. Wenn Antonia dann an den Laptop muss und ihr Arbeitstag beginnt, übernimmt Alex gemeinsam mit Wolfgang und Barbara das weitere Werkeln an Bord.
Feierabend ist meist gegen 17 Uhr – eingeläutet durch das etablierte Sundowner-Ritual: ein „Yes, please“ – besser bekannt als Gin Tonic. Dazu gesellen sich auf Wunsch alkoholfreies Bier und spannende Anekdoten von Wolfgang, dessen Leben voller beeindruckender Geschichten steckt. Langweilig wird es hier definitiv nie.
Um 19 Uhr gibt’s Abendessen, danach landen wir oft in einer gemütlichen Diskussionsrunde. Die Themen der letzten Abende: Ankermanöver, Anlegestrategien, Seekrankheit und Griechenland als Segelrevier.
Der Titel dieses Eintrags – „Nur ein Knoten“ – ist übrigens ein typischer Ausspruch von Barbara. Beim Anlegen ruft sie der Person an Land gern ein bestimmtes Kommando zu: „Mono ena kóbo, ochi píso!“ – „Nur ein Knoten, und nicht zurück!“
Hinter diesem Satz steckt eine klare Philosophie: Die Leine soll beim Anlegen möglichst schnell einen festen Punkt bekommen – keine Rückwürfe, kein unnötiges Verzögern. Die klassische Luvleine auf Slip hat für Barbara ausgedient – aus gutem Grund. Und ganz ehrlich: Das ergibt total Sinn.
Auch bei Ankermanövern hat Wolfgang seine ganz eigene Herangehensweise. An einem Abend haben wir uns einen seiner Filme über missglückte Ankeraktionen angeschaut – mit Szenen, in denen Crews beim Ankeraufholen versehentlich fremde Anker „eingesammelt“ haben. Lehrreich war’s allemal. Wolfgang betonte dabei: Der Skipper hat in solchen Situationen am Steuer nichts verloren. Stattdessen sollte er oder sie lieber vorne an Deck unterstützen – das Boot kann ja ohnehin nicht weg.
Ob man nun unbedingt Videos solcher Missgeschicke drehen und mit einem Augenzwinkern präsentieren muss? Darüber lässt sich streiten, eine offene Fehlerkultur sollte immer vorherrschen findet Antonia. Gelernt haben wir trotzdem viel – und geschmunzelt auch.
Was uns an der Marina Leros bisher ganz besonders gefällt, ist die offene und herzliche Community. Jeder grüßt jeden, hilft mit einem Lächeln weiter, und es entsteht ganz selbstverständlich ein Gefühl von Zusammenhalt – selbst wenn man sich nur flüchtig kennt.
Ein Highlight war das Wiedersehen mit Mario und Sibylle. Die beiden haben uns schon im Dezember, als wir die Anahita das erste Mal besichtigt haben, herzlich empfangen und uns alles in Ruhe gezeigt – damals noch stellvertretend für Wolfgang. Danach waren wir gemeinsam essen, haben viel gelacht und uns direkt gut verstanden. Es war eines dieser ersten Treffen, bei denen man schnell auf einer Wellenlänge ist.
Seitdem sind wir in Kontakt geblieben, und Mario hat uns mit seinen Ortskenntnissen schon mehrfach aus geholfen. Dank ihm ist Antonia zum Beispiel auf „The Leros Way“ gestoßen – ein liebevoll eingerichteter Co-Working Space hier auf der Insel, in dem sie sich einen Arbeitsplatz für ihre Remote-Arbeit buchen kann. Ruhig, freundlich, gutes WLAN – was will man mehr?
Solche Begegnungen machen das Leben an Bord und auf Reisen erst richtig besonders. Es geht eben nicht nur um Segeln, sondern auch um die Menschen, denen man unterwegs begegnet.